Krypto Betrug Geld zurück? Binance, Crypto.com, Coinbase – Chancen, Freeze, rechtliche Schritte

Verfasst von
Max Hortmann
03 Feb 2026
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Juristische Expertise
  • Cybercrime & Krypto-Betrug
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Einleitung: Gibt es nach Krypto-Betrug realistische Chancen auf Rückholung?

Nach einem Krypto-Betrug hören Betroffene häufig, ihr Geld sei endgültig verloren. Diese Aussage ist zu pauschal. Zwar sind Rückholungen zeitkritisch und keineswegs in jedem Fall möglich, doch über Börsen, Zahlungswege und KYC-Spuren bestehen in bestimmten Konstellationen reale Ansatzpunkte. Dieser Beitrag ordnet nüchtern ein, wann sich weiteres Vorgehen lohnt, welche Erwartungen realistisch sind und wann rechtlich klare Grenzen erreicht sind.

Über den Autor

Max Nikolas Mischa Hortmann ist Rechtsanwalt sowie Autor für juris, jurisPR-ITR und AZO (AnwZert ITR).
Er berät Betroffene von Krypto-Betrug bei der Beweissicherung, der Kommunikation mit Börsen wie Binance, Coinbase oder Crypto.com sowie bei der Durchsetzung zivilrechtlicher Ansprüche gegen Banken und Plattformen. Seine Arbeit wurde unter anderem von BR24, WirtschaftsWoche+ und Business Insider Deutschland aufgegriffen.

LinkedIn:
https://www.linkedin.com/in/max-hortmann-755430301/

Einordnung in die fünfteilige Artikelserie

Dieser Beitrag bildet den Abschluss der fünfteiligen Artikelserie zum Krypto-Betrug. Die zugrunde liegende Betrugsmechanik wird im Einstiegsartikel erklärt:
https://www.hortmannlaw.com/articles/krypto-betrug-phishing-fake-support-trade-republic-crypto-com

Die Beweissicherung nach einem Wallet-Abfluss behandelt „Krypto-Wallet leer, Geld weg“:
https://www.hortmannlaw.com/articles/krypto-wallet-leer-geld-weg-betrug-phishing-hack

Fragen zu Account-Übernahmen und Login-Spuren klärt „Krypto-Konto gehackt – Login, Datenleck oder Phishing?“:
https://www.hortmannlaw.com/articles/krypto-konto-gehackt-login-datenleck-phishing

Bei Neobroker-Bezug vertieft „Trade Republic Krypto-Betrug – Geld weg nach Phishing“ die Haftungs- und Warnpflichtfrage:
https://www.hortmannlaw.com/articles/trade-republic-krypto-betrug---geld-weg-nach-phishing-haftung-warnpflichten-was-moglich-ist

Abschnitt I – Drei realistische Anspruchs- und Hebelrichtungen (ausführlich)

1) Die Fiat-Spur: Bank und Broker als rechtlicher Ansatzpunkt

In sehr vielen Krypto-Betrugsfällen liegt der erste rechtlich relevante Schaden nicht auf der Blockchain, sondern im klassischen Zahlungsverkehr: Überweisungen, Kartenumsätze oder Verrechnungskonten, über die Gelder zunächst bewegt und erst anschließend in Krypto umgewandelt wurden.

Diese Spur ist deshalb zentral, weil sie:

  • zeitlich vor dem On-Chain-Abfluss ansetzt,
  • häufig besser dokumentiert ist,
  • und an adressierbare Intermediäre anknüpft.

Relevanz entsteht insbesondere dann, wenn:

  • Zahlungen atypisch waren (Höhe, Häufigkeit, Geschwindigkeit),
  • sie unter einem Sicherheits- oder Notfallnarrativ ausgelöst wurden,
  • oder mehrere Schritte verdichtet erfolgten, ohne dass Betroffene den wirtschaftlichen Gesamtzusammenhang erfassen konnten.

Wichtig ist: Diese Spur ist zeitkritisch. Je länger gewartet wird, desto geringer werden faktische Eingriffsmöglichkeiten – unabhängig davon, wie gut die rechtliche Argumentation später wäre.

2) Exchange-Kontakt: Sicherung, Dokumentation, Preservation – nicht „Rückholung auf Knopfdruck“

Kryptoplattformen können in bestimmten Konstellationen eine Rolle spielen – allerdings nicht im Sinne eines automatischen Rückerstattungsmechanismus.

Realistisch sind hier vor allem drei Funktionen:

  • Sicherung laufender oder noch nicht abgeschlossener Vorgänge,
  • Dokumentation und Nachvollziehbarkeit von Bewegungen,
  • Konservierung bestimmter Vermögenswerte, wenn diese noch nicht weitertransferiert wurden.

Was Plattformen nicht leisten, ist eine nachträgliche Reparatur abgeschlossener Transaktionen allein aufgrund einer Schilderung. Entscheidend ist vielmehr:

  • der Zeitpunkt der Kontaktaufnahme,
  • die Struktur der Anfrage,
  • und die Konsistenz der Darstellung.

Unkoordinierte, emotionale oder widersprüchliche Kontaktaufnahmen führen in der Praxis fast immer zu standardisierten Ablehnungen – nicht, weil der Fall zwingend aussichtslos wäre, sondern weil er so nicht prüfbar präsentiert wird.

3) Zivilrechtliche Durchsetzung: Anspruch braucht einen greifbaren Adressaten

Zivilrechtliche Schritte setzen voraus, dass es einen realistisch erreichbaren Verantwortlichen gibt. Nicht jeder Betrug erfüllt diese Voraussetzung.

Gerade bei international organisierten Scam-Strukturen zeigt sich häufig:

  • Täter sind nicht greifbar,
  • Plattformen sind nur mittelbar beteiligt,
  • Zuständigkeiten verlaufen über mehrere Rechtsordnungen.

In solchen Konstellationen entscheidet nicht die moralische Bewertung, sondern die Adressierbarkeit.
Ein Anspruch, der sich faktisch nicht durchsetzen lässt, bindet Ressourcen, ohne reale Aussicht auf Kompensation.

Deshalb ist zivilrechtliche Durchsetzung kein Reflex, sondern das Ergebnis einer strukturellen Vorprüfung.

Professionelle Person in moderner Umgebung, die Orientierung und Entscheidungsfindung im digitalen Kontext symbolisiert.
Moderne, professionell gekleidete Personen in urbanen und architektonisch hochwertigen Umgebungen. Die Szenen vermitteln Ruhe, Klarheit und einen nüchternen Blick nach vorn und stehen für realistische Neubewertung, Entscheidungsfindung und Handlungsfähigkeit nach einem digitalen Schadensereignis.

Abschnitt II – Typische Fehlannahmen rund um „Geld zurück“ (vertieft)

„Krypto ist immer weg.“

Diese Aussage ist genauso falsch wie ihr Gegenteil. Es gibt Fälle mit realistischen Rückholungsansätzen – aber sie sind strukturell begrenzt und hängen nicht vom Wunschdenken ab.

„Recovery-Services haben geheime Methoden.“

Ein verbreiteter Mythos. In der Praxis beruhen viele Recovery-Angebote auf:

  • erneuter Täuschung,
  • unklaren Erfolgsversprechen,
  • oder reiner Weiterleitung von Informationen, die Betroffene selbst liefern.

Seriöse Rückholung basiert nicht auf Tricks, sondern auf Rechtsdurchsetzung, Dokumentation und Timing.

„Eine Strafanzeige regelt das.“

Eine Anzeige kann sinnvoll sein, ersetzt aber keine zivilrechtliche Prüfung und schafft allein keine Rückzahlung.

„Je mehr Stellen ich anschreibe, desto besser.“

Das Gegenteil ist häufig der Fall. Parallelkommunikation ohne klare Linie führt zu widersprüchlichen Aktenlagen und schwächt die eigene Position.

Abschnitt III – Juristisch relevante Knackpunkte (klar, aber ohne Dogmatik)

1) Zurechnungskette

Rückholung setzt voraus, dass der Schaden einem bestimmten Abschnitt der Kette zugerechnet werden kann: Täuschung → Handlung → Schnittstelle → Abfluss.

2) Verantwortungsnähe

Nicht jede beteiligte Stelle ist rechtlich verantwortlich. Entscheidend ist, wer Einfluss auf den konkreten Ablauf hatte.

3) Verhältnismäßigkeit

Aufwand, Kosten, Dauer und Erfolgsaussichten müssen realistisch ins Verhältnis gesetzt werden. Nicht jede theoretische Option ist praktisch sinnvoll.

4) Beweislast als Strukturfrage

Nicht die Menge an Dokumenten, sondern ihre Schlüssigkeit und Chronologie entscheidet darüber, ob Schritte Aussicht haben.

Abschnitt IV – Was jetzt zählt: Struktur vor Hoffnung

  1. Falltyp sauber klären.
    Ohne Einordnung der Artikel 1–4 ist jede Recovery-Strategie blind.
  2. Priorisieren statt verzetteln.
    Nicht alles gleichzeitig verfolgen – sondern gezielt.
  3. Zeitfenster ernst nehmen.
    Viele Möglichkeiten sind faktisch befristet.
  4. Seriosität prüfen.
    Garantien sind ein Warnsignal.
  5. Realismus als Schutz.
    Klare Grenzen zu kennen ist oft der erste Schritt zurück zur Handlungsfähigkeit.
Professionelle Person in moderner Umgebung, die Orientierung und Entscheidungsfindung im digitalen Kontext symbolisiert.
Moderne, professionell gekleidete Personen in urbanen und architektonisch hochwertigen Umgebungen. Die Szenen vermitteln Ruhe, Klarheit und einen nüchternen Blick nach vorn und stehen für realistische Neubewertung, Entscheidungsfindung und Handlungsfähigkeit nach einem digitalen Schadensereignis.

Fazit: „Geld zurück“ ist keine Parole, sondern eine Strukturfrage

Rückholung bei Krypto-Betrug ist weder aussichtslos noch selbstverständlich. Sie hängt nicht von Plattformnamen ab, sondern von Ablauf, Zeitpunkt und Verantwortungsnähe.

Wer mit falschen Erwartungen handelt, verliert Zeit.
Wer strukturiert prüft, schützt zumindest die realistischen Optionen – und sich selbst.

Hand-Box: Ihre nächsten Schritte zur Rückholungsfrage

  • Klären Sie zuerst den Falltyp, nicht die Rückholung.
  • Vermeiden Sie Recovery-Versprechen ohne Substanz.
  • Kommunizieren Sie koordiniert und konsistent.
  • Behalten Sie Fristen und Datenspeicherung im Blick.
  • Lassen Sie Chancen und Grenzen realistisch prüfen.

Häufige Fragen zu „Geld zurück“ bei Krypto-Betrug

Gibt es bei Binance, Coinbase oder Crypto.com echte Rückholungen?
In Einzelfällen ja – abhängig vom Zeitpunkt und der Struktur des Falls.

Sind Recovery-Services seriös?
Sehr häufig nicht. Vorsicht bei Garantien oder Vorauszahlungen.

Reicht eine Strafanzeige aus?
Nein. Sie ersetzt keine zivilrechtliche Prüfung.

Warum ist die Falltyp-Einordnung so wichtig?
Weil sie entscheidet, ob es überhaupt einen greifbaren Hebel gibt.

Was ist der häufigste Fehler?
Hoffnung vor Struktur zu stellen – und dadurch Zeit zu verlieren.

Kontaktformular:
https://www.hortmannlaw.com/contact

Sie müssen das nicht allein durchstehen.
Ich stehe an Ihrer Seite – konsequent, schützend und mit einer klaren Strategie.

Weiterführende Artikel & vertiefende Analysen von Hortmann Law

PayPal, DAC7 & steuerliche Datenrisiken

Krypto-Betrug – Mechanik, Täuschung & Risikoanalyse

Beweisführung, Spurensuche & OSINT

Plattform- & Zahlungsdiensthaftung (Crypto.com, OpenPayd, Foris u. a.)

Steuerliche Folgen, Geldwäsche & Haftungsabwehr

Max Hortmann
Rechtsanwalt
,
Hortmann Law
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