MSD (MySugarDaddy) & Prostitution – Anwalt zur rechtlichen Einordnung, ProstSchG und Risiken

Verfasst von
Max Hortmann
23 Feb 2026
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MSD (MySugarDaddy) & Steuerhinterziehung – Strafrechtliche Folgen bei nicht erklärten Plattform-Einkünften

Wenn über MSD (MySugarDaddy) entgeltliche Leistungen erbracht werden und Einnahmen nicht erklärt werden, ist nicht das Dating das Problem – sondern das Steuerrecht.

Einleitung

Die Diskussion um MySugarDaddy (MSD) wird häufig moralisch geführt. Juristisch relevant ist jedoch eine andere Ebene: die steuerliche Einordnung der erzielten Einnahmen.

Ob eine Plattform als „Dating“, „Arrangement“ oder „Sugar-Modell“ bezeichnet wird, ist für das Steuerrecht sekundär. Entscheidend ist die wirtschaftliche Realität: Fließen Einnahmen als Gegenleistung für eine Leistung oder eine konkrete vertraglich geprägte Erwartung, sind diese grundsätzlich steuerlich relevant.

Mit der zunehmenden Transparenz durch DAC7/PStTG und automatisierte Datenabgleiche steigt das Risiko, dass bislang nicht erklärte Plattform-Einkünfte auffallen. In diesem Beitrag geht es daher ausschließlich um die strafrechtliche Dimension – konkret um § 370 AO und die tatsächlichen Risiken.

Über den Autor

Max Nikolas Mischa Hortmann ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Plattformökonomie, digitale Geschäftsmodelle und strafrechtliche Risikoanalyse in datengetriebenen Konstellationen. Er publiziert regelmäßig zu Fragen der Plattformverantwortung, Steuertransparenz und Ermittlungsstrukturen im digitalen Raum.

Einordnung in die Artikelserie

Artikel 1 behandelte die Frage, ob und in welchem Umfang MSD unter DAC7/PStTG fällt und welche Daten an die Finanzverwaltung gelangen können.

Dieser zweite Beitrag setzt dort an: Wenn Einnahmen sichtbar werden oder steuerlich relevant sind – wann wird daraus ein strafrechtliches Problem?

I. Steuerpflicht ist keine Wertungsfrage

Das Steuerrecht knüpft nicht an Moral, sondern an Einkunftsarten an.

Werden Zahlungen für eine entgeltliche Tätigkeit vereinnahmt, ist zunächst zu prüfen, ob diese Einnahmen einer steuerpflichtigen Einkunftsart zuzuordnen sind. Dabei ist es unerheblich, ob die Beteiligten das Verhältnis als „Arrangement“, „Beziehung“ oder „Unterstützung“ bezeichnen. Entscheidend ist die objektive Gegenleistungsstruktur.

Sobald eine wirtschaftliche Verknüpfung zwischen Leistung und Zahlung vorliegt, entsteht regelmäßig eine steuerliche Erklärungspflicht.

II. § 370 AO – Wann liegt Steuerhinterziehung vor?

Steuerhinterziehung setzt im Kern drei Elemente voraus:

  1. Steuerlich relevante Tatsachen werden nicht oder falsch angegeben.
  2. Dadurch wird eine Steuer verkürzt oder nicht rechtzeitig festgesetzt.
  3. Dies geschieht vorsätzlich.

Gerade der Vorsatz ist in der Praxis der entscheidende Prüfpunkt. Ein bloßes Unwissen oder eine fehlerhafte rechtliche Einordnung reicht nicht aus.

Problematisch wird es dort, wo:

  • Einnahmen bewusst verschwiegen werden,
  • Zahlungen systematisch als „Geschenke“ deklariert werden, obwohl faktisch Gegenleistung vorliegt,
  • oder über mehrere Jahre hinweg keine Erklärung erfolgt.

DAC7, PStTG & MySugarDaddy: Welche Daten gehen an das Finanzamt?
www.hortmannlaw.com/articles/anwalt-msd-mysugardaddy-dac7-psttg-finanzamt-daten

Plattformmeldungen nach DAC7 verändern die steuerliche Transparenz grundlegend. Wer über MySugarDaddy Einnahmen erzielt, sollte wissen, welche Daten gemeldet werden, wie das Finanzamt diese auswertet – und wann steuerstrafrechtliche Risiken entstehen können.

MySugarDaddy, Zahlungsflüsse & Geldwäsche: Strafrechtliche Risiken erkennen
www.hortmannlaw.com/articles/msd-mysugardaddy-geldwaesche-strafrecht-risiken

Ungewöhnliche Transaktionen können Verdachtsmeldungen nach dem Geldwäschegesetz auslösen. Der Artikel erläutert typische Risikokonstellationen, Ermittlungsansätze der Behörden und mögliche Verteidigungsstrategien im Ernstfall.

MSD, MySugarDaddy & § 370 AO: Droht Steuerhinterziehung?
https://www.anwalt.de/rechtstipps/msd-mysugardaddy-und-steuerhinterziehung-anwalt-erklaert-370-ao-strafrahmen-und-ermittlungsrisiken-264678.html

Welche Strafrahmen sieht § 370 AO vor? Wann wird aus nicht erklärten Plattform-Einnahmen ein steuerstrafrechtliches Ermittlungsverfahren? Der Beitrag erläutert Tatbestandsvoraussetzungen, typische Auslöser von Prüfungen und die rechtlichen Risiken bei MySugarDaddy-Konstellationen.

Love-Scam auf MySugarDaddy, Tinder & Seeking:

Zivilrechtliche Plattformhaftung und Schutzpflichten

Wann haften Dating-Plattformen zivilrechtlich bei strukturellem Love-Scam?
Analyse zu DSA-Prozesspflichten, DSGVO-Sicherheitsanforderungen und Organisationsverschulden digitaler Intermediäre.

👉 www.hortmannlaw.com/articles/love-scam-mysugardaddy-tinder-seeking-plattformhaftung

Abstrakte Darstellung von Plattformumsätzen und steuerlicher Prüfung im Zusammenhang mit MSD.
Digitale Plattformdaten im Kontext von Steuertransparenz und strafrechtlicher Risikoanalyse bei MSD.

III. Der Strafrahmen – realistisch eingeordnet

Der Grundtatbestand des § 370 AO sieht Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren vor.

Ein besonders schwerer Fall – etwa bei hohen Beträgen, langer Dauer oder besonders planmäßiger Verschleierung – kann zu Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren führen.

In der Praxis hängt die konkrete Sanktion jedoch von zahlreichen Faktoren ab:

  • Höhe der hinterzogenen Steuer
  • Dauer der Nichtangabe
  • Kooperationsverhalten
  • Vorstrafenfreiheit
  • Geständnis oder Nachzahlung

Nicht jeder Verstoß führt automatisch zu einer Freiheitsstrafe. Aber jeder ernsthafte Verdacht führt zu einer formellen Prüfung.

IV. Die Rolle von DAC7 – Sichtbarkeit verändert die Dynamik

DAC7 schafft keine neue Strafnorm.

Aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Einnahmen sichtbar werden und Abgleiche stattfinden. Wenn Plattformdaten Identität und Vergütungshöhe ausweisen, kann dies Anlass für steuerliche Rückfragen sein.

Die eigentliche strafrechtliche Dynamik entsteht erst dann, wenn:

  • erhebliche Abweichungen zwischen erklärten Einkünften und gemeldeten Plattformumsätzen bestehen
  • oder gar keine Erklärung abgegeben wurde.

DAC7 ist also kein Strafrecht – aber ein Transparenzmultiplikator.

V. Selbstanzeige – Rettungsinstrument oder Risiko?

Solange eine Tat noch nicht entdeckt ist, kann eine vollständige und rechtzeitige Selbstanzeige strafbefreiend wirken.

Unvollständige oder taktisch verspätete „Teilkorrekturen“ sind dagegen gefährlich.

Die Beurteilung, ob eine Entdeckung bereits vorliegt oder droht, ist keine Bauchentscheidung, sondern eine juristische Risikoanalyse.

VI. Typische Fehlannahmen

„Das ist doch privat.“
Privatheit schützt nicht vor Steuerpflicht.

„Das merkt doch niemand.“
Digitale Zahlungsstrukturen hinterlassen regelmäßig Spuren.

„Das war doch nur eine Beziehung.“
Das Steuerrecht prüft wirtschaftliche Realität, nicht Beziehungsbezeichnungen.

VII. Was jetzt zählt

In MSD-Konstellationen ist Panik ebenso fehl am Platz wie Verdrängung.

Entscheidend ist:

  • saubere Aufarbeitung der Zahlungsstrukturen
  • juristische Einordnung der Einkunftsart
  • Bewertung des Vorsatzrisikos
  • strategisches Vorgehen gegenüber der Finanzverwaltung

Strafrecht entsteht nicht durch das Dating, sondern durch das Verschweigen steuerlich relevanter Tatsachen.

Abstrakte Darstellung von Plattformumsätzen und steuerlicher Prüfung im Zusammenhang mit MSD.
Digitale Plattformdaten im Kontext von Steuertransparenz und strafrechtlicher Risikoanalyse bei MSD.

Fazit

MSD (MySugarDaddy) ist kein Straftatbestand.

Strafrechtlich relevant wird es erst dort, wo entgeltliche Plattform-Einkünfte vorsätzlich nicht erklärt werden.

Das größte Risiko liegt nicht im Label der Plattform, sondern in der Struktur der Zahlungen und der Dauer der Nichtangabe.

FAQ – MSD (MySugarDaddy) & Steuerhinterziehung

1. Sind Einnahmen aus „Sugar Arrangements“ automatisch steuerpflichtig?

Nicht automatisch – aber regelmäßig dann, wenn eine wirtschaftliche Gegenleistung vorliegt.
Das Steuerrecht bewertet nicht die Beziehungsform, sondern die objektive Austauschstruktur zwischen Leistung und Zahlung.

2. Ab wann wird aus einer Nichtangabe eine Steuerhinterziehung?

Steuerhinterziehung setzt Vorsatz voraus.
Relevant wird es, wenn steuerpflichtige Einnahmen bewusst nicht erklärt oder falsch deklariert werden und dadurch Steuern verkürzt werden.

3. Droht sofort ein Strafverfahren, wenn Plattformdaten gemeldet werden?

Nein.
Zunächst erfolgt regelmäßig ein steuerlicher Abgleich oder eine Nachfrage.
Erst bei konkreten Verdachtsmomenten wird ein Steuerstrafverfahren eingeleitet.

4. Kann man das noch korrigieren, wenn man Einnahmen bisher nicht angegeben hat?

Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine strafbefreiende Selbstanzeige möglich sein.
Ob dieses Fenster noch offen ist, hängt von der Entdeckungswahrscheinlichkeit und dem Verfahrensstand ab.

Love Scamming, Romance Fraud & digitale Beziehungstäuschung – Rechtlicher Überblick

Digitale Liebesmaschen wie Love Scams, Romance Fraud oder manipulatives Sugar Dating betreffen jährlich tausende Menschen. Oft geht es nicht nur um emotionale Täuschung, sondern um erhebliche finanzielle Schäden, psychologische Abhängigkeit oder sogar Erpressung. Unsere Kanzlei berät Opfer umfassend zu zivilrechtlichen Ansprüchen, Strafanzeigen und der Haftung von Plattformen. Nachfolgend finden Sie Fachbeiträge zu den wichtigsten Aspekten – von Deepfakes und Chatbots bis zu Rückforderungsansprüchen und Recovery Scams.

  1. Honey-Trap 2.0 – The Times, NDTV und andere Medien warnen vor neuer Form digitaler Spionage
    https://www.hortmannlaw.com/articles/honey-trap-sex-warfare-the-times-ndtv-digitale-spionage-europa          
  2. Klage bei Täuschung im Sugar-Dating – Wann Sie rechtlich gegen Fake-Beziehungen vorgehen können
    https://www.hortmannlaw.com/articles/klage-sugar-dating-betrug
  3. Love Scam oder Darlehen – wie sich emotionale Täuschung rechtlich abgrenzt
    https://www.hortmannlaw.com/articles/love-scam-oder-darlehen  
  4. Love Scam und Datenmissbrauch – Wenn Täter intime Informationen verwerten
    https://www.hortmannlaw.com/articles/love-scam-datenmissbrauch-opfer-anwalt            
  5. Love Scam und Geldwäsche – Verdachtsmeldungen, Sperrungen, Regress
    https://www.hortmannlaw.com/articles/love-scam-geldwaesche-opfer-anwalt      
  6. Love Scam und Krypto-Transfers – Wenn Fake-Liebe zur Wallet führt
    https://www.hortmannlaw.com/articles/love-scam-und-krypto-transfers---wenn-fake-liebe-zur-wallet-fuhrt      
  7. Love Scam und Opferrechte – Schadensersatz, Nebenklage, psychologische Hilfe
    https://www.hortmannlaw.com/articles/love-scam-opferrechte-anwalt      
  8. Love Scam und Plattformhaftung – Verantwortung sozialer Netzwerke
    https://www.hortmannlaw.com/articles/love-scam-plattformhaftung-opfer-anwalt          
  9. Love Scam und Steuern – Geldwäschefallen und steuerliche Risiken richtig vermeiden
    https://www.hortmannlaw.com/articles/love-scam-steuern-und-geldwaesche        
  10. Love Scam und Versicherungen RSV – Wann keine Schadensdeckung besteht
    https://www.hortmannlaw.com/articles/love-scam-und-versicherungen-rsv---wann-keine-schadensdeckung-besteht    
  11. Love Scam und psychologische Manipulation – Zwischen Einwilligung und Täuschung
    https://www.hortmannlaw.com/articles/love-scam-psychologische-manipulation-opfer-anwalt  
  12. Love Scam: Deepfake-Romantik – Virtuelle Gesichter, reale Täuschung
    https://www.hortmannlaw.com/articles/deepfake-romantik
  13. Love Scam: Internationale Strafverfolgung – Grenzen der Ermittlungen
    https://www.hortmannlaw.com/articles/internationale-strafverfolgung-love-scam
  14. Love Scam: Künstliche Intelligenz und Chatbots als Täuschungswerkzeug
    https://www.hortmannlaw.com/articles/ki-love-scam          
  15. Love Scam: LinkedIn als neue Falle – Wenn Business zu Nähe wird
    https://www.hortmannlaw.com/articles/love-scam-linkedin            
  16. Love Scam: Opfer mit Status – Warum Akademiker besonders gefährdet sind
    https://www.hortmannlaw.com/articles/love-scam-akademiker      
  17. Love Scam: Psychologische Abhängigkeit und finanzielle Kontrolle
    https://www.hortmannlaw.com/articles/psychologische-abhaengigkeit-love-scam            
  18. Love Scam: Romance Fraud 2025 – Neue Tätergruppen und Plattformen
    https://www.hortmannlaw.com/articles/romance-fraud-2025          
  19. Love Scam: Sextortion – Digitale Erpressung nach Beziehungsende
    https://www.hortmannlaw.com/articles/sextortion-love-scam        
  20. Love oder Romance Scamming – Digitale Täuschung mit Gefühl - Anwalt hilft Opfern
    https://www.hortmannlaw.com/articles/love-scamming---digitale-tauschung-mit-gefuhlq          
  21. MySugardaddy Betrug mit Vorauszahlung – PayPal, Amazon-Gutschein oder Sofortüberweisung erkennen
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  22. MySugardaddy – Körperlicher Kontakt & Abenteuer/Spaß gegen Geld-TG oder Darlehen: Wann Geld zurückgefordert werden kann
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  23. Recovery Scam nach Love Scam – Wenn Opfer erneut betrogen werden
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  24. Scamming: PayPal-Betrug und Dating-Scams
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Weiterführende Unterstützung für Menschen, die zu Unrecht unter Geldwäscheverdacht geraten

Wer bereits Opfer eines Betrugs geworden ist und später zusätzlich mit einer Anhörung, einer Verdachtsmeldung oder Rückforderungen konfrontiert wird, erlebt oft eine zweite Verletzung. Die folgenden Beiträge geben Orientierung und erklären, wie Betroffene ihre Würde und Sicherheit schützen können:

Wie Betroffene Geldwäschevorwürfe sicher entkräften können
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Wenn Banken zu Unrecht Geldwäscheverstöße unterstellen – was Sie wissen sollten
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Geldwäsche und Krypto-Betrug im DeFi – Risiken, FIU-Meldungen und Schutz für Betroffene
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Geldwäschevorwurf nach unfreiwilliger Transaktion – Wege der Verteidigung
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Max Hortmann
Rechtsanwalt
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